Am 13. September 1913 eröffnete Fritz Bühler im Hof der Auguststraße 24/25 das Tanzlokal „Bühlers Ballhaus“. Bekannt wurde es unter dem Namen „Clärchens Ballhaus“, wie es seine Witwe Clara nannte, nachdem der Wirt im Ersten Weltkrieg gefallen war und sie das Lokal weiterführte. Wann das Gebäude errichtet wurde, weiß niemand so genau – sämtliche Bauakten gingen in den Kriegswirren verloren.

 

Der Geschichten und Anekdoten gibt es viele: So gibt sich Franz Biberkopf, der Held in Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ (1929), als Stammgast des Ballhauses zu erkennen, der sich, nach dem Verlust seines Arms wieder bei Kräften, mit seinem Freund Meck dort vergnügen will. Gleich neben der Theke hatte Heinrich Zille einen Stammplatz, an dem er saß und zeichnete. Und Otto Dix malte das Plakat, das noch heute für die Werbung des Lokals verwendet wird.

Spiegelsaal Berlin Geschichte
Spiegelsaal Berlin Geschichte

Bis in die 1940er Jahre vergnügte man sich in zwei Sälen: Während unten im großen Saal das Volk zu Gassenhauern schwofte, trafen sich im Spiegelsaal mit wilhelminischem Prunk die vornehmeren Damen und Herren. Im Keller gab es eine Kegelbahn. 1944 aber, als im August Josef Goebbels „alle öffentlichen Veranstaltungen nicht kriegsgemäßen Charakters“ verbat, fanden im unteren Saal allenfalls noch Stricknachmittage und Kaffeekränzchen statt, während der obere Saal ein Offizierskasino gewesen sein soll. 

Bis zur Wende und darüber hinaus blieb Clärchens Ballhaus ein Familienbetrieb, geführt von Angehörigen Claras. Es gelang ihnen aber nicht, das immer noch beliebte Haus auch wirtschaftlich in der neuen Zeit zu etablieren. 2005 folgte der Besitzerwechsel und Betreiber wurden Christian Schulz und David Regehr. Clärchens ist seitdem wieder zum aufregenden Leben erwacht.
Es wurden wieder Tanzkurse eingeführt, vor allem aber gelang es mit einer besonderen Musikmischung (s. Programm: Heide Rabe) neues Publikum anzuziehen, ohne die noch vorhandenen Stammgäste zu vertreiben. Zudem war es möglich, Personal einzustellen, das bereits vor der Wende im Ballhaus gearbeitet hatte, Berliner Urgestalten, Familienclans, Charaktertypen.

Auch für den Spiegelsaal bedeutete die neue Leitung des Hauses eine große Veränderung: seit den Kriegstagen höchstens noch als Lagerraum genutzt, unberührt im Dornröschenschlaf über Jahrzehnte, mit schwachem Glanz und voller historischer Spinnweben, wurde er wieder öffentlich zugänglich. Der Saal bleibt dabei in seinem historischen Zustand, unrenoviert, unverändert. Prächtig und dekadent ist er einmalig in Berlin und vermutlich auch darüber hinaus.

Und es wird wieder darin gefeiert, gelebt und gearbeitet: Wilde Parties und edle Feste, Banketts und Empfänge, Trauungen und Taufen finden im Spiegelsaal statt, ebenso wie Film- und Fotoshootings, Konzerte, Theateraufführungen, Shows und Lesungen.

 
Spiegelsaal Berlin Geschichte